Nun habe ich endlich etwas Zeit, mal zu berichten, was mir so in den mehr als 24 Stunden von Sonntag bis Montag so alles widerfahren ist. Wobei – eigentlich fing es schon Samstag Abend an, verdächtig zu werden. Da versuchte sich meine Mutter nämlich am Online-Check-in der Lufthansa, mit dem Ergebnis, dass von unserer Buchung von Hamburg über Frankfurt nach Hong Kong der erste Teil nicht im System existierte. Nun ja, das wäre noch einigermaßen zu erklären, denn nach der Buchung im Juli (!) hatte sich im Oktober (!!) irgendwas an den Flugplänen geändert, wie uns das Reisebüro auch rechtzeitig mitgeteilt hatte. Nur die Lufthansa kam damit anscheinend nicht klar.

Hamburg – 10:45, -10 °C und heiter – die Laune ebenfalls

Sonntag gings dann vormittags bei wunderschönem aber bitterkaltem Winterwetter los in Richtung Flughafen. Mit reichlich Zeitpuffer ausgestattet, denn mein Vater befürchtete schnee- und eisbedingte Probleme der S-Bahn. Nichts dergleichen war der Fall, alles verlief nicht nur so, wie der seit eh und je zuverlässige Geofox es berechnet hatte, sondern wir bekamen sogar eine Bahn früher zum Flughafen. Dort angekommen, waren wir so frei, es erneut an den Check-in Automaten zu probieren, was das gleiche Ergebnis wie am Vorabend lieferte. Also musste doch die althergebrachte Methode am gnädigerweise noch vorhandenen Schalter mit Personen aus Fleisch und Blut herhalten. War alles kein großes Problem, da hatte sich einfach das Lufthansa System verschluckt.

Ohne unser eingeplantes Zeitpolster genutzt zu haben, konnten wir also nun in aller Seelenruhe die Sicherheitskontrollen passieren und auf den Flieger nach Frankfurt warten. Und warten. Und uns ein bisschen wundern, dass eine Maschine, die um 14:00 abfliegen soll, um 13:30 noch nicht da ist… Das war so die Zeit, in der Nachrichten von einem Schneechaos im Westen die Runde machten. Die Flughäfen in Düsseldorf, Amsterdam und Paris seien geschlossen worden, was auch zu den Anzeigetafeln passte. Und zu der Tatsache, dass vor den Fenstern der Wartesäle ziemlich tote Hose war. Aber warum sollte das unser aus Frankfurt kommendes Flugzeug stören? Es sollte. Eine Durchsage verkündete uns wartenden, dass aufgrund von Verzögerungen durch nötige Enteisungen das Flugzeug gerade erst in Frankfurt gestartet sei. Das war kurz vor zwei, also ziemlich genau der Zeitpunkt, wo wir eigentlich das Gate Richtung Frankfurt verlassen sollten. Nun ja, es ist Winter, sowas kann schon mal vorkommen und in Frankfurt war die Umsteigezeit mit über 2 Stunden auch großzügig bemessen, sodass wir keine Probleme bekommen sollten.

Your flight has been cancelled - not mine

Eine dreiviertel Stunde später war der Flieger dann auch tatsächlich da, entleerte sich und füllte sich wieder, unter anderem mit uns. Das übliche Prozedere – Plätze finden, Handgepäck verstauen, versuchen es sich so gut es eben geht bequem zu machen – fand ein jähes Ende, als sich nach der üblichen Wartezeit noch immer nichts tat, was der Kapitän uns dann sinngemäß folgendermaßen beibrachte: „Aufgrund des Schneefalls mussten in Frankfurt Landebahnen zwecks Räumung geschlossen werden, was eine Reduzierung der Landungen pro Stunde von 60 auf etwa 20 zur Folge hat. Weshalb mal eben auch unser Slot gestrichen wurde und wir erst in einer Stunde und 15 Minuten starten können.“ Freundlicherweise wurden aber nun schon am Boden Getränke ausgeschenkt. Uns als Umsteige-Passagier beginnt man sich so langsam Sorgen um seinen Anschlussflug zu machen (aber nur langsam, denn immerhin ist da ja Schneechaos. Wäre ja ungerecht, wenn sich ausgerechnet der Anschlussflug dadurch nicht verzögern würde). Nach einer Stunde (all die Flugzeuge neben uns waren mittlerweile weg oder es waren schon wieder neue da) tat sich dann tatsächlich was: Ein Laster mit Hebebühne kam und unser Flugzeug wurde warm geduscht.

Warmduscher

Nach der Enteisung rollten wir tatsächlich… auf eine Parkposition auf dem Vorfeld. „Es hat nicht sollen sein/It was to good to be true“, teilte uns der Kapitän zerknirscht eine weitere halbe Stunde Wartezeit mit. Dies war tatsächlich die für den Moment letzte und auf dem Weg zur Startbahn wurde klar, dass der Teufel sich heute zwar nicht ver-, aber trotzdem noch im Detail steckte:

A-WEST & B-EAST


Frankfurt – 18:00, dunkel, keine Zeit für Laune, muss Flieger nach Hong Kong bekommen…

Immerhin mit einer butterweichen Landung entschädigt (für die der Kapitän Applaus von Leuten, die auch nach Vorlesungen klopfen (oder wie war noch mal die StudiVZ Gruppe? ^^) bekam), kamen wir in Frankfurt an, in freudiger Erwartung des laaaangen Weges, der von A17 nach C16 zurückzulegen war (siehe Grafik). Falls denn unser Flieger überhaupt noch da war…war er laut Anzeigetafel, allerdings war wohl vor 5 Minuten mit dem Boarding begonnen worden. Also losgestratzt, immer den Schildern, soweit vorhanden nach, mit dem Skytrain ins andere Terminal, und weiter durch einen elendig langen Gang ohne Laufbänder durch die Sicherheitskontrolle am Ende des Ganges kurz vor C16…wo unser Tatendrang dann jäh gestoppt wurde. Da habe sich was geändert, teilte uns ein Flughafenmitarbeiter mit, unser Flug ginge nun von C9 aus. Was eigentlich nicht so schlimm wäre, wenn das denn, wie man denken könnte, nicht allzu weit von C16 entfernt wäre. Ist es aber nicht, wie einem ein Blick auf den Lageplan verrät, denn irgenein schlauer Mensch hat sich ausgedacht, dass man durch den bereits erwähnten elendig langen Gang zurück und dann parallel dazu einen anderen Gang entlang muss. Auf dem Weg zu C9 passierten wir unter anderem einen Monitor, der besagte „hier geht’s zu folgenden Flügen“, gefolgt von einer leeren Liste, was meine Mutter ziemlich verwirrte, wovon ich mich aber nicht aufhalten ließ, denn „was sollen wir denn sonst machen, als nachgucken?“ Einige Meter weiter versuchten Papierschilder, die verschiedene Flüge in die USA bezeichneten, uns aufzuhalten. Nachdem all diese Hindernisse passiert waren, rief uns aus der diesmal richtigen Sicherheitskontrollstation jemand entgegen: „Wollen Sie nach Hong Kong? Dann aber schnell!“ Am Gate wurde dem letzten Satz aber sofort der Wind wieder aus den Segeln genommen, denn eine Lufthansa-Mitarbeiterin mahnte uns und ein paar Italiener, die zusammen mit uns so spät kamen, „molto piano“ zu gehen, denn irgendwie war in der Brücke zum Flieger Wasser ausgelaufen, welches bei den Temperaturen sofort gefroren war und schon eine ältere Dame außer Gefecht gesetzt hatte. Schließlich geleitete sie uns sogar bis zur Flugzeugtür und endlich waren wir im Flieger zu unserem Ziel (erst musste ich allerdings noch einen Chinesen von dem auf meinem Ticket vermerkten Platz verscheuchen).

frankfurt

Man könnte denken, dass es nun endlich losging, immerhin hatte das Flugzeug auch wegen uns noch so lange dort gestanden. Doch die Frankfurter Schneechaos-Koordinatoren hatten was dagegen. Offenbar standen nicht genügend Enteisungsfahrzeuge zur Verfügung, sodass wir ewig warten mussten, bis wir uns überhaupt in die Warteschlange vor einer an der Startbahn befindlichen Enteisungsstation einreihen durften. Unterwegs dorthin konnte man noch eine Kolonne Räumfahrzeuge bestaunen, die es schaffte, eine Durchfahrt zu blockieren. Um 21:30 – etwa drei Stunden, nachdem wir als letzte eingestiegen waren – hoben wir dann endlich Richtung Hong Kong ab.

kolonne

Das bedeutete 10 Stunden keinen Stress, weil ohnehin gefangen, und Zeit sich so gut es geht (nicht gut) auszuruhen. Immerhin durfte ich endlich erfahren, das „Up“ in der Tat ein ziemlich lustiger Film ist.

Hong Kong – 7:30 bzw. 14:30 Ortszeit, 17 °C und leicht bewölkt – Laune? Will schlaaafen…

Tatsächlich schaffte es der Pilot wie versprochen in  ziemlich genau 10 Stunden. Doch wer meinte, jetzt sei endlich alles gut, hatte sich zu früh gefreut. Denn schließlich gibt es kein Reisechaos ohne Gepäckchaos – dieses war nämlich nicht dazu zu bewegen, sich unter den aus unserem Flieger kommenden Koffern zu befinden. Und sogar der nun recht sinnlose Gepäckwagen machte sich über uns lustig:

nuernberg

Stand heute – 2 Tage später – hat sich in Frankfurt wohl noch immer nicht alles wieder auseinander sortiert, unser Gepäck ist noch immer verschollen. Was wohl auch damit zusammenhängt, dass wir tatsächlich noch Glück im Unglück hatten. Wie ich so las, wären nicht einmal wir persönlich hier angekommen, wenn wir nur einen Tag später geflogen wären, sondern 3 von 8000 in Frankfurt Gestrandeten gewesen. Das ganze ist ein wenig lächerlich, wenn man bedenkt, was für vergleichsweise humane Wetterverhältnisse halb Europa ins Chaos gestürzt haben, im Gegensatz zu dem, was alljährlich die USA heimsucht und dort nachvollziehbarer Weise alles zum Stillstand bringt.

Ein Fazit nach 5 Stunden in stehenden, 11 in fliegenden Flugzeugen und 2 Tagen Bedenkzeit: Das System hat uns in etwa 3 Stunden Zeit (in Bezug auf die ursprüngliche Ankunftszeit tatsächlich gar nicht so viel) und 2 Koffer geklaut (aber nicht unser Lächeln…)! In diesem Sinne, fröhliche Weihnachten alle miteinander! ;-)


Damals